Samstag, 27. Oktober 2007

Lichter in der Nacht

Der Streik ist vorbei, doch er wirkt noch nach. Am gestrigen Freitagabend mussten wir ganze 25 Minuten auf die S-Bahn warten. In dieser Zeit fragte uns eine ältere, offensichtliche Nicht-Berlinerin, ob wir ihr kleinste Münzen in ein Fünfcentstück wechseln könnten, damit sie einen Fahrschein lösen könne. Ein offensichtlicher Berliner stellte daraufhin fast schon aggressiv fest "Sie wollen jetzt nicht wirklich einen Fahrschein kaufen!". Im nachfolgenden Gespräch erläuterte er der Neu-Berlinerin ein paar grundlegende Regeln der Stadt. Eine davon war, dass Freitagnacht die gesamte Berliner Partygemeinschaft mit öffentlichen Verkehrmitteln unterwegs sei - mit der wolle sich kein vernünftiger Kontrolleur anlegen.
Viel mehr Tips erfuhr die Neu-Berlinerin (die sich trotzdem einen Fahrschein kaufte) nicht von dem Mann, denn ihm "hat dit damals auch keener gesagt".
Am Ende des Gesprächs stellte sich übrigens heraus, dass der Mann - genau wie ich - eine Monatskarte hatte ;)

Ziel dieses Abends war das sogenannte "Festival of Lights", das derzeit in Berlin stattfindet. Dabei geht es im Wesentlich darum, viele große Gebäude in bunten Farben anzuleuchten. Eigentlich wollten wir uns das Brandenburger Tor, den Fernsehturm und den Berliner Dom anschauen. Bei den beiden letztgenannten war das Licht allerdings leider schon ausgeknipst. Berlin-Mitte ist nachts um halb drei aber auch sonst sehr schön. Nun ja, zumindest das Brandenburger Tor war in Farben beleuchtet, die jeden LJ vor Neid erblassen ließen.

Noch interessanter fand ich die dicke Pferdeskulptur des Künstlers Fernando Botero, die derzeit vor dem Brandenburger Tor zu sehen ist.

Botero-Skultur vor dem Brandenburger Tor

Nach einem Bierchen in einer gemütlichen Bar am Hackeschen Markt ging es dann wieder mit der S-Bahn nach Hause. Wir wurden nicht kontrolliert.

Außerdem habe ich es endlich geschafft mein Betriebssystem auf den neuesten Stand zu bringen. Sieht sehr schick aus und funktioniert auch wunderbar - ich bin entzückt.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Sonntagsausflug

Heute war ich im wunderbar herbstlichen Tiergarten und später noch auf der Siegessäule. Der Tag begann damit, dass Lorena, meine katholische Nachbarin (die im Gegensatz zu mir gestern Abend nicht ausgegangen war), zu einer - aus meiner protestantischen Sicht - unchristlich frühen Zeit an meine Tür klopfte und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit zum Reichstag zu kommen. Noch nicht ganz wach versicherte ich ihr, dass ich es mir überlegen würde.

Eine Stunde später brachen wir auf, allerdings nicht Richtung Reichstag, sondern - nach einem kurzen Abstecher zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche - zuerst in den Tiergarten. Hier stehen ein paar wirklich schöne alte Straßenlaternen aus aller Welt. Danach erklommen wir die Siegessäule. Die paar hundert Stufen waren wohl die Strafe dafür, dass ich das Fußballspiel ganz vergessen hatte, zu dem ich eigentlich an diesem Nachmittag zugesagt hatte. Oben angekommen erwartete uns jedoch ein atemberaubender Blick über Berlin. Allerdings kann einem durch den kalten Wind dort oben auch recht kalt werden, was besonders Anna-Maria, meiner sonnenverwöhnten italienischen Nachbarin anzusehen war.

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Montag, 15. Oktober 2007

Bar jeder Vernunft - Alfred Biolek und das Polizeibusdrama

Das letzte Wochenende war ein gutes. Meine Eltern und meine Schwester besuchten mich in meiner 1-Zimmer-Luxuswohnung. Da es schnell zu eng wurde, wichen wir in ein nahe gelegenes Café aus. Doch ich rede garnicht lange drum herum, sondern komme sogleich zum Interessanten:

Am Sonntag Abend saßen wir mit Bekannten in der "Bar jeder Vernunft" bei einem gemütlichen Bierchen/Weinchen beisammen, als sich wie selbstverständlich ein paar Meter weiter Alfred Biolek niederließ. In dieser Gesellschaft lauschten wir der wohlklingenden Stimme von Helen Schneider, was ein guter Ausklang des Tages gewesen wäre.

Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht noch eine kleine Überraschung um die Ecke warten würde. Auf dem Heimweg trafen meine Schwester und ich auf eine Straße, die von der Polizei weiträumig abgesperrt worden war. Ein investigativer Blick offenbarte die Ursache. Scheinbar war ein Auto von einem Transporter gefallen und direkt in einen Polizeibus hinein (was ich aus dem etwas zerdrückten, vorderen Teil desselben schloss). Natürlich war auch schon die Presse vor Ort (Radio). Doch nicht nur das. Etwas verwundert nahm ich denjenigen Polizeibus zur Kenntnis, auf dem in großen Buchstaben etwas von "Presseinformation" oder so ähnlich stand. Ich habe kurz überlegt, ob ich meine Kamera hole und spontan ein narratives Interview durchführe. Dann habe ich mir jedoch die Uhrzeit und die Tatsache, dass ich kein Journalist bin ins Gedächtnis gerufen - und es daraufhin gelassen.

@Alex: Ich bin mir sicher, du hättest daraus einen Seite-1-Artikel produzieren können ;)

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Das Berlin der Komparative: Härter, voller, schneller

Vier ganze Semester lang habe ich in Ilmenau die Kampfsportart Jiu-Jitsu betrieben, immer in dem Glauben, dass es anstrengend sei - jetzt bin ich in Berlin und weiß, dass es noch anstrengender geht. Es ist einfach eine andere Welt, eine härtere, vollere und schnellere Welt. Vielleicht wird dafür die eine oder andere Technik hier und da nicht ganz so sauber ausgeführt, aber man kann offenbar nicht alles auf einmal haben.

Wie dem auch sei, zumindest brauche ich mir keine Sorgen um meine Kondition mehr machen.

Samstag, 6. Oktober 2007

Der erste Döner

Warum trägt ein Mann auf offener Straße nichts außer einer weißen Mütze, einer Badehose und einer Jacke (und das zu dieser Jahreszeit)? Ich weiß es leider auch nicht, da ich ihn nicht fragen wollte. In Berlin passieren dauernd verrückte Sachen, deshalb gefällt es mir mit der Zeit immer besser.

Dann musste ich heute feststellen, dass direkt vor meiner Haustür eine riesige Shopping Mall aufgemacht hat, was ich sehr angenehm finde, da ich von Natur aus faul bin, wenn es um einkaufen geht. Noch begeisterter war ich, als ich entdeckt habe, dass sich im Inneren der Mall diverse Spielereien befinden. Mein Favorit waren die Zerrspiegel.



Als Highlight des Tages aber habe ich heute endlich meinen ersten Döner in Berlin gegessen (hatte ich schon seit Montag vor). Überaus köstlich.

Freitag, 5. Oktober 2007

Die ersten Tage in Berlin

Nachdem wir (Caro und ich) netterweise in der ersten Nacht bei Maksim übernachten konnten, der schon seit einer Weile hier in Berlin wohnt, sind wir am Abend endlich ins eigene Zimmer im Wohnheim gezogen. Der Einzug hat soweit reibungslos geklappt (vielen Dank an die beiden besten Umzugshelfer der Welt =), lediglich der Wohnheim-Fahrstuhl hätte etwas reibungsloser funktionieren können - wir wohnen im vierten beziehungsweise fünften Stock. Dieser war nämlich zunächst kaputt, doch wir warteten brav, da uns der Hausmeister sogleich in leichtem südosteuropäischen Akzent vertröstete ("Das ist schnelle Sache... fünf Minuten."). Hat selbstverständlich eher so um die 50 Minuten gedauert, aber immerhin hat es letztendlich geklappt.

Auch die Kollegen in der Agentur sind alle super nett und die Arbeit ist sehr interessant und abwechslungsreich (soweit man das am ersten Tag sagen kann ;). Wir haben den halben Tag allerlei Einführungen und Schulungen bekommen, sodass einem guten Start eigentlich nichts mehr im Wege steht. Außerdem ist Julia ja schon seit einem Monat vor Ort und kann uns auch einiges zeigen. Nur die Namen werden in den nächsten Tagen noch ein kleines Problem sein, fürchte ich - mich beschleicht das Gefühl es arbeiten dort so ca. eine Million Personen, die sich alle beim Vornamen kennen. Nun denn, ich nehme die Herausforderung an ;)

Fazit: Das Praktikum entspricht meinen Erwartungen und macht sehr viel Spaß. Die Wohnung ist klein, aber gemütlich und voll OK. Berlin ist eine tolle Stadt, solange man nicht versucht, in der Innenstadt einen Parkplatz zu finden.